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Vom Warenlager zum Kulturdenkmal

Die Greth um 1900

Die Greth

Das heutige Grethgebäude beherbergt seit seiner umfassenden Renovierung im Jahr 1998 eine Markthalle sowie verschiedene Geschäfte, gastronomische Betriebe und Kinos. Ursprünglich diente es der Reichsstadt Überlingen als zentrales Lager- und Handelshaus. Bis zum Bau der Seepromenade im 19. Jahrhundert lag das Gebäude unmittelbar am Ufer des Bodensees.

Der Name „Greth“ geht auf den mittelhochdeutschen Begriff „Grede“, also „Regal“, zurück und steht im alemannischen Raum für ein Waren- und Kaufhaus. Das Erdgeschoss ist sowohl zur See- als auch zur Landseite hin mit jeweils vier gegenüberliegenden Toren ausgestattet. In dem dazwischenliegenden Bereich befanden sich die Markthallen, in denen Waren geprüft, abgewogen und gehandelt wurden. Die Büroräume lagen im ersten Obergeschoss, während das weitläufige Dachgeschoss als Lagerfläche diente – vor allem für Getreide und Wein. 

Die Greth war einst das zentrale Warenlager und Handelshaus des bedeutenden Überlinger Getreidehandels in städtischer Ära. Heute nutzt man das spätbarock-frühklassizistische Gebäude mit mittelalterlichem Kern als Markthalle für Gastronomie und Einzelhandel. Mit ihrem prägnanten Walmdach über drei Geschossen dominiert das Gebäude zwischen Seepromenade und Hoftstatt die historische Seefront. Bereits 1936/37 wurde sie gemäß der badischen Landesbauverordnung als Kulturdenkmal eingetragen.

Geschichte

Die ältesten Bestandteile der Greth stammen aus dem Jahr 1382 – dendrochronologische Untersuchungen bestätigen Eichpfeiler aus dieser Zeit. Erste urkundliche Erwähnung fand das Gebäude in der Gredordnung von 1421, die den Zoll- und Handelsbetrieb regelte. Auf alten Plänen wie jener von Matthäus Merian (1640/43) ist ein turmartiger Steinbau mit Staffelgiebeln und großen Toren zur Schiffslände erkennbar. Dieser mittelalterliche Bautyp findet sich auch in anderen historischen Gebäuden Überlingens wieder.

Die Greth diente nicht nur als Lagerstätte und Zollstelle, sondern auch für öffentliche Ereignisse wie Bürgerversammlungen und Festlichkeiten. Ein St.-Georgs-Drachenmotiv von 1539 im ersten Obergeschoss deutet auf solche Nutzung hin.

Umbau 1788 – Bagnatos Neugestaltung

Nach einem Dachsturz im Jahr 1787 beauftragte der Stadtrat 1788 den Deutschordensbaumeister Franz Anton Bagnato mit einem vollständigen Neubau. Innerhalb von nur sechs Monaten entstand der heutige klassizistische Bau mit einem mächtigen, 13 Meter hohen Walmdach. Die Fassade blieb bewusst schlicht in weißem Putz gehalten, lediglich mit Steinfarbe eingefasst.

Im Erdgeschoss lagen zwei große Kornhallen, die jeweils vier imposante Tore zum See und zur Hofstatt öffneten. Das Obergeschoss beherbergte Amtsräume und Wohnbereiche, die Dachgeschosse dienten als Schüttböden. Die Greth gliederte sich in Hauptbereiche wie Mainauer, Mittel-, Haber- und Schmalzgreth.

Spätere Nutzung & Bibliotheken

Mit dem Rückgang des Getreidehandels wandelte sich die Nutzung: Die Hallen dienten u. a. der Feuerwehr, dem Werkhof und später als Lager- und Kurverwaltung. Seit 1920 nutzte man das Obergeschoss als Bibliothek (Leopold-Sophien-Bibliothek, ab 1937 Stadtbücherei). In den 1950er Jahren erhielt die Greth eine gelb-rotbraune Fassade mit weißen Fensterläden – eine Anspielung auf das Deutschordensschloss auf der Mainau.

Sanierung 1997/98 und moderne Nutzung

Nach dem Auszug der städtischen Einrichtungen erfolgte von 1997 bis 1998 eine umfassende Sanierung: Dachkonstruktion und Innenräume wurden restauriert, historische Putze konserviert, mittelalterliche Wandverzierungen wie das Drachenmotiv hervorgeholt. Der historisch weiße Fassadenanstrich mit blauen Fensterläden entspricht weitgehend dem Entwurf von 1788.

Heute befindet sich in der etwa 350 m² großen östlichen Halle eine Markthalle, im westlichen Bereich Gastronomie und Einzelhandel. Im Obergeschoss liegen Büros, Einzelhandel und ein weiteres Restaurant. Die drei Dachgeschosse beherbergen ein modernes Kino mit Lounge und exponierter Sicht auf die historische Greth-Glocke von 1655.

Handel, Wandel & Genuss

Trotz ihrer Größe ist die Greth zentral über ein Treppenhaus und einen Aufzug erschlossen – möglich durch die Anbindung ans benachbarte Gebäude der Galerie Fauler Pelz über einen Steg. Ursprünglich war das Gebäude durch die strategische Lage Überlingens am Bodenseeknoten von Handelswegen ein wichtiger Umschlagplatz für Waren wie Getreide, Wein, Honig und Tuch. Die Greth-Glocke im Nordgiebel signalisierte den Beginn des Handelstags – an jedem verkauften Sack zahlten Käufer und Verkäufer eine Gebühr an die Stadt.

Mit dem Bedeutungsverlust des Kornmarkts im Laufe des 19. Jahrhunderts rückte Überlingen auf Fremdenverkehr um – die Greth blieb als Symbol der reichen Handelsgeschichte bestehen und verbindet bis heute historische Substanz mit moderner Nutzung.

Seit 2004 ist die Vinogreth ein fester Bestandteil der Markthalle Greth. In der hauseigenen Vinothek erwartet Sie eine vielfältige Auswahl an regionalen und auch internationalen Weinen, die auch verkostet werden können. Für Feiern oder Events können Sie die Vinogreth oder den hauseigenen Cateringservice gerne buchen. Im dazugehörigen Bistrogreth werden seit 2019 täglich frisch saisonale Tagesgerichte und feine Tapas zubereitet.

Quellen: 

– „Greth.“ Wikipedia, Wikimedia Foundation, 1. Juli 2024, https://de.wikipedia.org/wiki/Greth.
(Zugriff am 31. Juli 2025.)
– Stadt Überlingen (Hrsg.): Überlingen. Bild einer Stadt. In Rückschau auf 1200 Jahre Überlinger Geschichte. 770–1970. Konrad, Weißenhorn 1970.
– Alois Schneider, Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Stadt Überlingen (Hrsg.): Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg, Band 34: Überlingen. Regierungspräsidium Stuttgart/Landesamt für Denkmalpflege, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-927714-92-2.
– Peter Findeisen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg: Ortskernatlas Baden-Württemberg. Band 4.3: Stadt Überlingen. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, 1994, ISBN 3-89021-565-3.
– Volker Caesar: Das Gredgebäude in Überlingen. (PDF; 751 kB). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg März 2001. Landesamt für Denkmalpflege/Regierungspräsidium Stuttgart, 2001, ISSN 0342-0027
– Stefan Uhl: Die „Greth“ in Überlingen. Bestand und Baugeschichte eines städtischen Kauf- und Kornhauses. (PDF; 88,5 MB). In: Südwestdeutsche Beiträge zur historischen Bauforschung. Band 4, Landesamt für Denkmalpflege/Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.), Arbeitskreis für Hausforschung, Regionalgruppe Baden-Württemberg. Esslingen 1999, ISSN 2366-9233

Weblinks:
– Commons: Greth (Überlingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
– Informationen zur Greth auf ueberlingen-bodensee.de
– Bilder der Greth bei Foto Marburg